H. Huhn / Diplomarbeit / „Lastfallstudien am Zwei-Stab-System nach exakter FZT“
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welche die tatsächliche Funktion ersetzen, und damit den Rechenaufwand auf ein güns-
tiges Maß reduzieren. Wie in Abbildung 4 dargestellt, wurden bei Materialuntersu-
chungen, unter einmaliger monotoner Be- und Entlastung unterhalb oder bis zum Bruch,
zwei unterschiedliche Bereiche entdeckt:
• elastischer Bereich (klassisch: Hooke’sche Gerade und Gesetz)
Stähle zeigen als kristalline Stoffe bei Zug- oder Druckbeanspruchung bis zu
einer bestimmten Spannung σ
y
(Streckgrenze) ein rein elastisches Verhalten, das
durch die im Kristallgitter herrschenden Anziehungskräfte bestimmt ist. Es treten
nur Gitterverzerrungen in den Kristalliten auf, die sich bei Entlastung voll
zurückbilden [2].
• verfestigender Bereich (plastisches Fließen)
Bei kristallinen Stoffen tritt eine nennenswerte bleibende Verformung erst
oberhalb der Streckgrenze σ
y
auf, die durch die ersten größeren Gleitungen und
Versetzungen im Kristallgitter oder zwischen den Kristallen bestimmt ist. Dabei
nehmen die Verformungen zu, ohne dass die Spannung wesentlich erhöht
werden muss. Mit Abnahme der Gleitmöglichkeiten verfestigt sich der Stoff,
wodurch ein weiteres Fließen bei höheren Spannungen verhindert wird [2].
Bei der Wahl der im folgenden benutzten Werkstoffparameter ist zu beachten, dass die
ingenieurtechnischen Regelwerke Grenzwerte für örtliche Dehnungen festlegen. Eine
Betrachtungsgrenze ε
G
kann danach auf 5% Dehnung festgelegt werden, obwohl die
Dehnungsreserven des Stahls das 300- bis 400-fache der elastischen Dehngrenze bis
zum Bruch betragen. Der Aufbau eines geeigneten Rechenmodells erfolgt über den
klassischen Ansatz, dem Hooke’schen Elastizitätsgesetz, und der Weiterführung eines
oder mehrerer Verfestigungsgesetze innerhalb des Betrachtungsbereichs. Eine Mög-
lichkeit zu deren Beschreibung besteht im Aneinanderreihen von linearen Funktionen,
die durch einen von Funktion zu Funktion flacher werdenden Anstieg charakterisiert
werden und die damit den Effekt der Verfestigung simulieren. Diese so entstandenen
Werkstoffmodelle werden als „multilineare Werkstoffmodelle“ bezeichnet. Die Abbil-
dungen 5 und 6 zeigen zwei Varianten, die in den nachstehenden Lastfalluntersuchung-
en zur Anwendung kommen. Das Elastizitätsmodul E beschreibt den Anstieg des elas-
tischen Bereiches und die Tangentenmoduln E
ti
beschreiben den Anstieg des Verfesti-